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Leonid und Christoph im Gespräch, Foto: Melina Johannsen

Was sieht man, bevor jemand spricht?

Leonid und Christoph im Gespräch, Foto: Melina Johannsen

Ich dachte, ich würde in ein Schneideratelier gehen und über Kleidung sprechen. Dann betrat ich den Raum und wurde erst einmal selbst betrachtet.

Leonid schaute mich an, bevor ich ein Wort gesagt hatte. Plötzlich war ich nicht mehr der Schauspieler, der beobachtet, sondern der Beobachtete. Ein irritierender Moment. Und eine ziemlich gute Lektion: Haltung beginnt offenbar lange vor dem ersten Satz.

Seit 19 Jahren steht leonidmatthias in Sachsenhausen für handgefertigte Mode mit Persönlichkeit. Bewusst abseits von Fast Fashion und Mainstream. Bewusst in Frankfurt, obwohl Berlin, Paris, Mailand lockten. Das Wort „bewusst“ fällt in jedem Gespräch mit ihnen – und man merkt schnell: Es ist kein Füllwort.

Christoph, Matthias und Leonid, Foto: Melina Johannsen

Was mich am meisten beschäftigt hat, ist Leonids Satz nach unserem Treffen – er schickte ihn mir per WhatsApp, ein paar Tage später, kurz und ohne Ankündigung:

Ihr habt gefragt, wie ich Gentleman definiere. Ich habe das vor allem auf die Kleidung bezogen. Das ist Unfug. Einen Gentleman erkennt man an seiner Haltung, vor allem an seinem Umgang mit der Umwelt.“

— Leonid, per WhatsApp

Ich habe die Nachricht zweimal gelesen. Nicht weil ich sie vergessen könnte. Sondern weil mir auffiel: Er hat sich korrigiert. Öffentlich, ohne Zögern. Das braucht eine bestimmte Art von Sicherheit – in sich selbst, nicht im Auftritt.

Und noch ein Satz, der mir geblieben ist:

Ein Kleidungsstück trägt nicht den Gentleman. Die Kleidung begleitet den Gentleman.“

— Leonid

Fotos: Melina Johannsen

Und dann, fast beiläufig: „Ein Gentleman sollte niemals geschniegelt aussehen.“ Warum? „Weil Perfektion langweilig ist.“

Genau darum geht es in THE GENTLEMAN PROJECT. Ich treffe Menschen in Frankfurt, die mich inspirieren – weil sie für etwas stehen. Ich beobachte, frage nach und nehme etwas für mich und meine Arbeit als Schauspieler mit. Daraus entstehen ein Buch, Fotografien, Videos und Geschichten für Website und Social Media.

Die Begegnungen haben begonnen.

Foto: Melina Johannsen