
Ich trage keinen Schmuck. Bewusst entschieden habe ich das nie, es hat sich einfach so ergeben. Christiane Kirchner eröffnete ihren ersten Laden im Jahr 2007 (ursprünglich als Atelier 64 bzw. später Concept 64) im Frankfurter Nordend. Den Umzug mit ihrer Galerie Stadtgold an den aktuellen Standort in der Berliner Straße 20 machte sie im Jahr 2016. Paulina Hofmann kam als Praktikantin, machte hier ihre Ausbildung und ist seit 2025 Mitinhaberin. Aus Lehrerin und Schülerin sind Partnerinnen geworden.
Beim Hineingehen schaue ich auf meine Hände. Keine Ringe, keine Uhr. Christiane Kirchner und Paulina Hofmann werfen beide einen kurzen Blick darauf, als ich eintrete.


Paulina empfiehlt mir ohne Zögern:
„Ich wäre ganz klar beim Ring. Bei dir würde ich eher warme Töne sehen, auch wegen der braunen Augen. Etwas mit mehr Statement. Das passt auch zu deinem Auftreten. Man braucht für bestimmte Schmuckstücke auch ein gewisses Standing. Man transportiert damit schließlich etwas.“
— Paulina Hofmann

Auf die Frage, was für sie ein Gentleman ist, sagt Christiane:
„Für mich ist ein Gentleman ein Mensch, dem man auf Augenhöhe begegnen kann, der zuhört. Heute wird sehr viel darüber gesprochen, dass man auf sich selbst achten soll. Dabei geht manchmal verloren, dass man trotzdem auch nach den anderen schauen sollte.“
— Christiane Kirchner
„Für mich bedeutet es, dass jemand sich anderen gegenüber vorbildlich und respektvoll verhält. Aber warum sollte das auf einen Mann beschränkt sein? Als Frau kann ich schließlich genauso jemandem die Tür aufhalten.“
— Paulina Hofmann

Im besten Fall überlebt ein gutes Schmuckstück seinen Besitzer, das haben Christiane und Paulina gegen Ende des Gesprächs gesagt.
Melancholisch klang das nicht, eher wie eine Tatsache, mit der sie jeden Tag arbeiten.
Mein Beruf dagegen ist flüchtig. Eine Vorstellung findet einmal statt, danach bleiben Erinnerungen, Fotos, vielleicht eine Kritik, aber die Vorstellung selbst ist vorbei. Christiane und Paulina machen Dinge, die in fünfzig Jahren noch da sind. An Fingern von Menschen, die vielleicht noch gar nicht geboren sind.
Ich bewerte das nicht, aber seitdem trage ich eine Frage mit mir herum: Was hinterlässt man? Und muss man etwas hinterlassen wollen, um gut zu sein in dem, was man tut?

