Christoph im Frankfurter Hauptfriedhof. Foto: Melina Johannsen
Christoph im Frankfurter Hauptfriedhof. Foto: Melina Johannsen

Champagner für einen toten Philosophen

Christoph im Frankfurter Hauptfriedhof. Foto: Melina Johannsen
Christoph im Frankfurter Hauptfriedhof. Foto: Melina Johannsen

Ich weiß, was Sie jetzt denken: Ein Schauspieler, der sich mit einem toten Philosophen unterhält, ist entweder sehr klug oder sehr selbstverliebt, womöglich beides. Das Risiko bin ich bewusst eingegangen.

Wer war Arthur Schopenhauer ? Foto: Melina Johannsen
Wer war Arthur Schopenhauer ? Foto: Melina Johannsen

Arthur Schopenhauer lebte 27 Jahre in Frankfurt. Er aß täglich im Englischen Hof, liebte seinen Pudel mehr als die meisten Menschen und beobachtete die Welt so genau, dass es seinen Zeitgenossen unangenehm war. Ein freundlicher Mann war er nicht, aber ein aufmerksamer.

Also bin ich mit einer Flasche Champagner, einer grünen Decke, einem Obstkorb und einem Baguette zum Hauptfriedhof gegangen. Ohne Champagner wäre es mir unhöflich vorgekommen.

Kleines Picknick mit Schopenhauer. Foto: Melina Johannsen
Kleines Picknick mit Schopenhauer. Foto: Melina Johannsen

Das Gespräch begann mit Bescheidenheit:

Stein:

Herr Schopenhauer, Bescheidenheit war Ihre Sache nie.

Schopenhauer:

Bescheidenheit ist eine Tugend für Menschen, die nichts zu sagen haben. Hegel hatte Bescheidenheit – und schauen Sie, was daraus geworden ist.

Christoph muss laut lachen und vergisst darüber, etwas zu notieren.

Auf die Frage, was dem modernen Gentleman fehlt:

„Der Wille, sich zu langweilen. Wer nicht mehr allein in einem Zimmer sitzen kann, ohne nach Ablenkung zu greifen, hat sich selbst verloren. Gentleman ist man, wenn niemand zuschaut, alles andere ist Pose.“

— Arthur Schopenhauer

Und zum Schluss, auf die Frage, ob jemand verstanden hat, was er geschrieben hat:

„Ein paar. Es hätten mehr sein können. Aber das sage ich über jeden guten Champagner auch.“

— Arthur Schopenhauer

Anstoßen auf und mit Schopenhauer. Foto: Melina Johannsen
Anstoßen auf und mit Schopenhauer. Foto: Melina Johannsen

Christoph klappt das Notizbuch zu und nickt dem Grabstein zu, mit der Höflichkeit, die man jemandem schuldet, der einem gerade das Klügste seit Wochen gesagt hat.

Er war ein Gentleman mit tiefen Rissen: arrogant, oft ungerecht und trotzdem präziser in seinem Blick auf die menschliche Natur als fast alle, die nach ihm kamen. Kleiner haben ihn die Risse nicht gemacht, eher ehrlicher.