
An allem sind die Frauen schuld – dieser Meinung sind zumindest Max, Paul und Simon in der rabenschwarzen französischen Komödie „Unsere Frauen“, die derzeit im Stein’s Tivoli in Rodenbach gespielt wird. Aber auch wenn die Frau nervt, ist das doch kein Grund für einen Mord – oder doch?
Rodenbach. Es ist eine bitterböse Geschichte, die der Autor Eric Assous sich da ausgedacht hat und die Regisseurin Louise Oppenländer auf die Tivoli-Bühne bringt: Die beiden Freunde Max (Christoph Stein) und Paul (Klaus Heindl) warten auf ihren Kumpel Simon (Christian Kerkhoff), der zu spät zum wöchentlichen Kartenspielen kommt. Max ist gerade von seiner Freundin verlassen worden, und in Pauls Ehe läuft auch nicht mehr alles perfekt, so dass die beiden schnell auf die Idee kommen, dass Simons Verspätung mit dessen Frau Estelle zu tun haben muss. Diese hat zwar auch ihre guten Seiten („schöne Zähne“), ist aber, wie Max urteilt, nicht kompliziert, sondern ätzend.
Als Simon schließlich alkoholisiert und völlig aufgelöst hereinstolpert, zeigt sich, dass sie recht hatten: Simon hat seine Angetraute im Streit umgebracht.
Es folgen pointierte und rabenschwarze Dialoge, die sich zunächst darum drehen, wie Max und Paul mit dieser Neuigkeit umgehen sollen: Wie ist dem Freund zu helfen, und was genau ist eigentlich passiert, dass der sonst so friedliche Friseur derart die Kontrolle verloren hat?
„Es tut mir ja leid, dass ich euch den Abend versaue“, meint Simon geknickt und wirft erst einmal eine Handvoll Tabletten ein. Er ist allerdings ziemlich entsetzt darüber, dass ihm seine beiden Freunde nicht ganz selbstverständlich ein falsches Alibi liefern wollen – so entsetzt, dass er vor Empörung einfach umfällt.
Polizei rufen oder den Freund decken?
Nicht, dass das die Diskussion beendet. Max und Paul streiten eifrig weiter darüber, was nun das Richtige ist: Polizei rufen oder Simon decken? Zwischendurch schweifen die Diskussionen auch zu Roland Kaiser und Pizza ab, es gibt einen kurzen Lehrgang im richtigen Lügen, und das alles wird immer wieder von Schlagermusik aus dem defekten Radio unterbrochen.
Christian Kerkhoff hat übrigens keine Pause, während Simon schläft: In bester „Immer Ärger mit Bernie“-Manier sitzt er mitten im Geschehen, wird überrannt, getreten und hin- und hergezerrt. Was für eine grandiose Selbstbeherrschung! Aber für ihn und den routinierten Klaus Heindl ist die Tivoli-Bühne schließlich so etwas wie ein zweites Wohnzimmer; man sieht den beiden Schauspielern einfach an, wie wohl sie sich im Theater fühlen. Christoph Stein ist das erste Mal als Akteur in Rodenbach dabei, stand allerdings bereits im Hanauer Tivoli auf der Bühne und passt gut zu den beiden „alten Hasen“.
Ungewöhnlich und mit französischer Bissigkeit
„Unsere Frauen“ ist für das Rodenbacher Tivoli ein eher ungewöhnliches Stück, das mit französischer Bissigkeit und unerwarteten Gags, aber vor allem durch ein eingespieltes und gut aufgelegtes Ensemble punktet. Den drei Herren liefert man gerne ein Alibi!
GNZ Quelle: Bruske-Guth

